Die Schabmer Tracht

Am 12. Juli 1987 trat die Musikkapelle Schabs das erste Mal mit ihrer neuen Tracht bei der Margarethen‑Prozession in Schabs auf. Vorher trugen die Musikanten Anzüge

und Dirndln, was freilich nicht zu einer frischen, neuen Kapelle passte. So machten es sich einige Musikanten um Obmann Ignaz Tauber im Jahr 1985 zur Aufgabe, eine passende Tracht für die Musikkapelle Schabs zu finden. Dafür stellte die Arbeitsgruppe zunächst einen Antrag an die Landestrachtenkommission in Bozen, der „ArGe Lebendige Tracht Südtirol“. Der erste Vorschlag wurde abgelehnt, sodass die Schabner von der ca. 15‑köpfigen Kommission unter dem Vorsitz von Dr. Helmut Rizzolli Ende Februar 1986 zu einer Aussprache nach Bozen eingeladen wurden. Dort stellte Ignaz Tauber eine historische Pustertaler Tracht vor, die er von seinen Vorfahren geerbt hatte. Wie alt diese Tracht war, wusste man nicht, doch sie reichte mit Sicherheit in die Zeit von 1900 und früher zurück.

 

Am 26. Marz 1986 folgten Dr. Helmut Rizzolli und Frau Nagele von der Kommission sowie Trachtenschneider Ernst Neunhäuserer aus Olang einer Einladung ins Probelokal von Schabs. Dort stellte Dr. Rizzolli zu Beginn dieser Aussprache den Verband für Lebendige Tracht vor, der 1980 gegründet worden ist und das Ziel hat die Trachten in Südtirol in ihren ursprünglichen Formen zu erhalten. Er betonte, dass eine Tracht immer vom Scheitel bis zur Sohle zusammenpassen muss. Dr. Rizzolli wies besonders darauf hin, dass Schabs zum Gericht Rodeneck gehörte und deshalb die Schabser Tracht von der des Pustertales zu unterscheiden sei. Nach diesen Erörterungen zog Paul Gasser die historischen Teile der alten Schabser Tracht an und Trachtenschneider Neunhäuserer brachte verschiedene Vorschläge zu möglichen Verbesserungen vor. Bei der darauffolgenden Diskussion wurde durch Abstimmung für die historisch nachempfundene Tracht entschieden. In den nächsten Monaten wurde von Trachtenschneider Hubert Erschbaumer aus Mühlbach ein Modell angefertigt, das der Kommission bereits Mitte Oktober 1986 zur Begutachtung gezeigt werden konnte. Allerdings gab es immer noch Unstimmigkeiten über einige Teile der Tracht.

Besonders der Farbton der Joppen zeigte sich als großes Problem. Die Kommission zeigte sich gleich vom gelben Hut begeistert, der für Männer und Frauen derselbe sein sollte. Von den violetten Schuhbändern wollte sie nicht abweichen und so gaben sich die Schabner in diesem Thema geschlagen. Aber nicht so bei den Hosenkraxen, denn die Kommission bestand darauf, dass sie am Rücken über Kreuz verlaufen sollten. Die Musikanten jedoch glaubten, dass das historisch nicht korrekt sei, da ja schon die Träger des Brustfleckes über Kreuz gingen. Also fuhren Mitte November Ignaz Tauber, Josef Gasser, Bernhard Oberhauser und Trachtenschneider Hubert Erschbaumer in die Trachtenausstellung des Bozner Stadtmuseums, zogen einer Puppe die Joppe aus und bewiesen damit, dass sie Recht hatten.

 

Am 10. Dezember 1986 wurde das zweite Modell der Tracht von Ignaz Tauber, Martin  Gasser, Ochsenreiter Raimund und Roland Unterkircher vorgeführt und von der Kommission akzeptiert. Somit konnte die Produktion beginnen.

 

Folgende Handwerker wurden mit der Anfertigung der Trachten beauftragt:

• Trachtenschneider Hubert Erschbaumer, Mühlbach (Joppen, Brustflecke, Hosenträger, Flor, Mädchentrachten)

• Firma Gebhard & Sohne, Brixen (lederne Kniebundhosen, Hemden, Mädchenstutzen)

• Firma Rizzolli, Bozen (Hute, Trachtenschuhe)

• Maria Messner, Veronika Wachtler, Margareta Putzer, alle aus Schabs

• Aloisia Hofer aus Barbian (Männerstutzen)

• Federkielsticker aus dem Sarntal (Ranzen)

 

1989 wurde die Tracht auf dem Tiroler Ball in Meran als die schönste „vorbildlich heimatliche Tracht“ ausgezeichnet, und auch bei der Gesamttiroler Trachtenausstellung im Kongresshaus in Innsbruck räumte die Schabser Tracht einen Preis ab.

Am 12. Juli 1987 schließlich war es so weit: zum ersten Mal konnte die Musikkapelle mit der neuen Tracht ausrücken, und zwar zur Margarethen‑Prozession in Schabs.

 

Die Männertracht

• Runder gelber Filzhut mit grünem Band um die Krempe und den Kopf und abschließender goldener Borte

• Weißes langärmeliges Hemd

• Roter Brustfleck mit vier Knöpfen an der rechten Seite, umrahmt mit breiter grüner Borte, vorne dekorative goldene Borte, Träger hinten über Kreuz

• Grüne Hosenkraxen

• Lederne Kniebundhose mit Stickereien

• Handgestrickte Stutzen (Muster gesehen von Ignaz Tauber in der Zeitung „Der Landwirt“) aus schmutzig weiser Schafwolle

• Flache Schuhe mit violetten Schuhbändern (ursprünglich „Goaslschmotz“, also das

Ende der Geiseln), vorne rotes Lederband durchgestickt, weise Nahte

• „Ranzen“, der Gürtel, in der Mitte mit Federkiel eingesticktes Wappentier der Gemeinde Natz‑Schabs (Reiher), am rechten Ende das Gründungsjahr 1984, am linken Ende die Lyra als Symbol der Musikkapelle, weitere dekorative Verzierungen

• Schwarzer Flor, verschlungen mit dem „Zweifachüberhandknoten“, Enden innen

unter den Brustfleck gesteckt

• Braune Joppe mit grünen Streifen als Aufschlag an Ärmeln, am Kragen und vorne.

Unten sind die Joppen gerissen, damit sie sich dem jeweiligen Träger anpassen können

 

Die Frauentracht

• Derselbe runde gelbe Filzhut wie bei der Männertracht (die Musikkapelle Schabs gehörte damit zu den Vorreitern in Südtirol)

• Weiße Bluse mit geklöppelten Spitzen an Kragen und Ärmeln; die Armel werden mit zwei grünen Bändern über dem Ellenbogen gebunden

• Roter Brustfleck, ähnlich wie bei Männertracht

• Tracht an sich besteht aus rotem „Leibchen“ und dem glatten schwarzen Rock. Das Leibchen besteht aus rotem Wollbrokat. Das Armloch, der Latz und der waagrechte Rückenschluss werden von einer breiten Borte in grün geziert. Zwei grüne Samtbänder verlaufen mit kleinem Abstand parallel zur Vorderkante des Leibchens, während der Rücken in der Mitte drei, links und rechts in der Verlängerung des Armloches aber zwei parallele, senkrechte Samtbänder zeigt; goldfarbene

Miederhaken und ein grünes Schnurband dienen zur Verschnürung des Leibchens

• Blauer Baumwollschurz

• Handgestrickte Stutzen aus schmutzig weißer Schafwolle

• Dieselben Schuhe wie die Männer, nur mit einem kleinen Absatz

• Schwarzer Flor, verschlungen mit dem „Zweifachüberhandknoten“, Enden außerhalb der Träger in die Tracht gesteckt

• Braune Joppe, hinten kurzes Zickzackmuster aus grünem Faden und roten Knötchen als Verzierung für die Taillierung

 

Marketenderinnen

Zwischen den Trachten der Musikantinnen und denen der Marketenderinnen gibt es zwei Unterschiede.

• plissierter Rock

• Schurz aus Seide mit Blumenmuster